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chipsi
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Beitrag von chipsi » Sa 10. Dez 2005, 12:45

Artikel über Morten Grunwald

http://www.fyn.dk/modules/fsArticle/ind ... leid=41703



quelle: fyn.dk





bei bogguide.dk hab ich auch ein Buch über Morten Grunwald gefunden.

Es ist am 18.11.2005 erschienen.

Holger
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Beitrag von Holger » Sa 10. Dez 2005, 18:09

Morten Grunwald bekam einen Schock, als er als Kind sah ,wie sein deutscher Vater von Freiheitskämpfern verhaftet wurde. Das Erlebnis machte aus ihm einen zurückhaltenden und verwirrten Jungen , aber das ändertte sich mit der Schauspierei.

Es ist der 5. Mai 1945. Danmark wurde nun befreit, und genau wie alle anderen dänischen Familien freut sich auch Familie Grunwald zu feiern, daß fünf Jahre Besatzung vorbei sind.

Aber die frohen Stimmen auf den Straßen und den umliegenden Höfen werden plötzlich übertönt von Stiefeltritt und Schreien. Eine Abteilung Freiheitskämpfer mit Stahlhelm, Armbinde und Maschinenpistolen kommen gelaufenüber die Gehwegplatten der Einfahrt zum Haus im Enghavevej in Odense, und sie gehen direkt zu Karl Friedrich Grunwald.

Ein Nachbar hatte den wohlangesehenen und populären billedskærer(Scherenschneider?) angezeigt , er wäre Kollaborateur und nach einer gründlichen Leibesvisitation und einer Menge Fragen erlebt der 10-jährige Morten, daß sein deutschgeborener Vater weggeführt wird...

(Wenn ich mich wieder etwas beruhigt habe übersetze ich den Rest.)

FranzJaegerBerlin
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Beitrag von FranzJaegerBerlin » Mo 12. Dez 2005, 18:16

mit freundlicher Genehmigung von Holger hier der Rest von Janze.

Das Theater wurde mein Leben



20.11.2005, 4:00 Uhr



von Roberto Zacharias





Morten Grunwald bekam einen Schock, als er sah wie sein deutscher Vater von Freiheitskämpfern verhaftet wurde. Das Erlebnis machte aus ihm einen verschlossenen und verwirrten Jungen, doch die Schauspielerei änderte das.





Es ist der 5. Mai 1945. Dänemark wurde gerade befreit, und wie alle anderen Dänen freute sich Familie Grunwald darauf, das Ende von fünf Jahren Besatzung zu feiern.



Aber die fröhlichen Stimmen von der Strasse und den umliegenden Gärten wurden plötzlich durch Stiefelgetrampel und Rufe übertönt. Ein Zug Freiheitskämpfer mit Stahlhelmen, Armbinden und Maschinenpistolen versammelte sich auf den Fliesen in der Einfahrt zum Haus im Enghavevej in Odense, und kamen geradewegs zu Karl Friedrich Grunwald



Ein Nachbar hatte den sonst wohlangesehenen und populären Bilderschnitzer als Denunziant beschuldigt, und nach einer gründlichen Leibesvisitation und einer Menge Fragen erlebte der 10jährige Morten, wie sein deutschstämmiger Vater abgeführt wurde.



„Wir glaubten, dass wir rausgehen sollten um den Dannebrog zu hissen und mit den Anderen gemeinsam zu feiern, stattdessen kamen sie und holten meinen Vater. Das war ein Schock und ein tiefer Schlag, der durch und durch ging. Ich will nicht sagen, dass ich nie drüber weggekommen bin. Aber es waren viele Jahre nach dem Krieg, in denen ein Schatten über mir lag“, sagt Morten Grunwald.





Unpässlicher Schüler





In seinen Erinnerungen „Kort tid“ (Kurze Zeit), die er in Zusammenarbeit mit seinem Freund Samuel Rachlin schrieb, schaut der bald 71jährige Schauspieler und frühere Theaterchef auf sein Leben zurück, das, laut ihm selbst, von dem heftigen Ereignis vor mehr als 60 Jahren geprägt wurde.



Obwohl die Anschuldigungen gegen den Vater, der deutscher Soldat im Ersten Weltkrieg war, sich als falsch herausstellten, hielten die misstrauischen und zweifelnden Blicke noch lange nach der Freilassung an. Und der sehr deutschklingende Name – Walter Morten Grunwald, der später verkürzt wurde – machte es nicht gerade einfacher neue Freunde zu finden.



„Die Scham und der Schmerz blieben ein grosser Teil meines Kindheit, die sonst auf vielerlei Weise wunderbar, warm und liebevoll war. Aber der Krieg und meines Vaters deutsche Abstammung machten, dass ich zusammenklappte und in der Schule nur herumsaß und aus dem Fenster sah. Ich war einfach ein schlechter Schüler, was meine Eltern enttäuschte. Sie hätten sich gefreut, dass ich genauso gut zurecht kam, wie meine zwei älteren Schwestern, die die besten in der Klasse waren und den gleichen Weg gingen. Aber ich wusste überhaupt nicht, was ich wollte“, erzählt Morten Grunwald.



Nachdem er die Schule verließ, hatte er mehrere Lehrstellen und schaffte es, sich sowohl in der Möbel- als auch in der Molkereibranche zu langweilen, ehe er 1956 an die Schauspielschule des Odense Teater kam, nachdem er bei einem Aufenthalt an der Askov Højskol die Glückseligkeiten der Schauspielerei entdeckte.



Als das erste Jahr des Studiums in seiner Heimatstadt überstanden war, wollte der junge Füne seine Kräfte gerne in der Hauptstadt messen. Er bekam die Erlaubnis an der Schauspielschule des Königlichen Theaters weiterzumachen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Morten Grunwald längst erkannt, dass das Schauspiel genau das richtige Fach für ihn war.





Freude in der Schauspielerei





„Auf der Bühne fühlte ich mich wie ein Fisch im Wasser, und ich fand schnell heraus, dass ich die Fähigkeit hatte, Geschichten zu erzählen und Rollen zu spielen. Später konnte ich erkennen, dass es gefühlsmässige Dinge waren, die auf mich einwirkten und mich dazu brachten, mich zum abenteuerlichen Theater zu flüchten, wo ich mich in anderen Charakteren verstecken und mich von einigen Traumata befreien konnte“, sagt der Schauspieler, der seinen Theaterdurchbruch 1962 mit der Rolle des Billy in „Billy Løgneren“ (Billy der Lügner) hatte. Das Stück wurde ein grosser Erfolg und brachte mehrere lobende Kritiken für Morten Grunwald, der dann schnell verschiedene Rollen an der Bühne erhielt.



Parallel begann er für Film und Fernsehen zu arbeiten, und 1968 wurde der grosse Schauspieler mit dem jungenhaften Gesicht ernsthaft im ganzen Land bekannt, als die erste Geschichte der Olsenbande mit Morten Grunwald, als dem ewig optimistischen Benny in den dänischen Kinos Premiere hatte.





Die Olsenbande und Ove





„Die Olsenbande hat für mich unglaublich viel bedeutet und ich habe es nie übel genommen, wenn die Leute mir auf die Schulter schlugen und ‚Hej Benny!‘ sagten. Im Gegenteil, ich fühle mich glücklich und privilegiert, das ich die Erlaubnis bekam, in einigen Filmen dabei zu sein, die solch grosse Durchschlagskraft hatten. Selbst heute kann man einem sieben, acht Jahre alten Frechdachs begegnen, der die Olsenbande auf DVD gesehen hat, und es lässt sich nicht vermeiden, dass einen anrührt, wenn er beginnt die Erkennungsmelodie zu pfeifen“, sagt Morten Grunwald, der es schaffte, gemeinsam mit Poul Bundgaard und Ove Sprogøe, 15 Filme über die vom Pech verfolgte Bande zu machen, zu der er ein enges Verhältnis bekam.



„Wir saßen uns nicht auf dem Schoß, aber wir drei waren gute Freunde. Am häufigsten traf ich Ove, der meine Leidenschaft für Kunst teilte. Poul tat das bestimmt nicht und er ließ uns immer die Luft raus, wenn er darüber sprach, was wir an den Wänden hängen hatten. Er mochte Kunst selbst sehr, wenn man erkennen konnte, was es darstellte, und deshalb kam er gerne mit Kommentaren wie: „Das war geschickt, dass sie das verkaufen konnten“ und „Das sieht aus, als ob er nur seinen Pinsel sauber gemacht hat“.





Ein neues und gesunderes Leben





Die lange Zusammenarbeit des dreiblättrigen Kleeblatts endete 1998, als „Der (wirklich) allerletzte Streich der Olsenbande“ aufgenommen wurde. Aber das Jahr setzte nicht nur einen Schlusspunkt hinter einen der grössten dänischen Filmerfolge überhaupt.



Nach neun Jahren als viel beschäftigter und gestresster Theaterchef des Østre Gasværk Teater entschloss sich Morten Grunwald seinen Job zu kündigen und etwas gegen seinen ungesunden Lebensstil zu tun.



Die grossen Mengen an Essen und Trinken zu allen möglichen Zeitpunkten des Tages haben ihn so übergewichtig gemacht, dass seine Hüften von Verschleissgicht betroffen wurden und durch zwei Künstliche ersetzt werden mussten.



„Ich würde heute nicht hier sitzen, wenn meine Frau Lily nicht die Notbremse gezogen hätte. Ich wurde von dem französischen Ernährungsexperten Alain Mességué eingeführt und er lehrte mich richtig zu essen und mich zu trimmen, wofür ich unglaublich dankbar bin. Ich verlor 40 Kilo und kann nun wieder die Hosen aus dem ersten Olsenbandefilm tragen. Und damit bin ich ziemlich zufrieden“, sagt der frühere Theaterdirektor, der hinter den grossen Inszenierungen von „Les Misérables“, „Atlantis“ und „Miss Saigon“ am Østre Gasværk Teater stand, bei dem er von Anfang an dabei war.



Nach seinen vielen Jahren in der Branche hat Morten Grunwald dann die Theaterarbeit doch nicht ganz loslassen können und soll beispielsweise im Frühjahr ein neues Stück am Nørrebro Teater inszenieren.





Sich mehr entspannen





Aber im Verhältnis zu früher hat er die Arbeitsbelastung kräftig heruntergeschraubt und er verwendet stattdessen mehr Zeit darauf sein Haus in Skodsborg, das Zusammensein mit der Familie und die Aussicht zum Øresund, wo der Rudersport gepflegt wird, zu geniessen.



Ich habe nicht mehr so viele Hummeln im Hintern wie früher und lebe mehr in der Gegenwart. Ich bin irrsinnig froh, wenn ich morgens die Augen aufschlage und freue mich darauf, noch einen Tag gemeinsam mit meiner Frau und all den anderen Menschen, die ich mag, zusammenzusein. Und obwohl ich nicht mehr so aktiv bin, scheint es mir, dass die Zeit beinahe zu schnell vergeht“, sagt Morten Grunwald.





Bildunterschrift





Foto: Polfoto

Morten Grunwald verlor 40 Kilo durch Veränderung seines Lebensstils und folgt den Anweisungen für gesunde Kost und Bewegung eines französischen Ernährungsexperten. Heute kann er wieder die Hosen aus dem ersten Olsenbandefilm tragen.

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